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für die Aktivierung und Begleitung von Ehrenamtlichen
Die Bedeutung von Social Media für die Arbeit mit Ehrenamtlichen wird durch drei Daten markiert: 1989 wird das World Wide Web eingeführt, das Web 2.0 kommt 2000 und Facebook gibt es seit 2004.
Klassifikationen:
• Alle Personen die bei Einführung von Facebook unter 25 Jahre waren, werde heute als Digital natives bezeichnet. Diese Generation ist mit Computern, E-Mail und dem Internet aufgewachsen und hat einen natürlichen und selbstverständlichen Zugang zu diesen Medien. Die Kommunikation mit Personen die 36 Jahre und jünger sind, schließt in der Regel immer Kommunikation mit Hilfe von Computern, Smartphones und Tablets mit ein, das Internet ist selbstverständlicher Kommunikationsraum, und Social Media und soziale Netzwerke sind natürlicher Bestandteil der Lebenswirklichkeit.
• Digital Immigrants ist die Gruppe von Menschen die heute zwischen 35 und 65 ist. Sie benutzt in der Regel zumindest Teile dieser Technologie, aber abhängig von persönlichen Biographien kann dies stark variieren und reicht von E-Mail, über Facebook und Whats App bis hin zu Computern, die immer noch wie besonders fähige elektronische Schreibmaschienen benutzt werden.
• Last not least, ist da noch die Gruppe der Analog People. Das sind meist ältere Menschen, die zwar wissen, das es E-Mail und Computer gibt, die aber weiter in einer analogen Welt leben, deren Eckfeiler Zeitung, Radio und Fernsehen sind. Die einzige große nichtanaloge Einfallstraße in diese Gruppe ist, wenn überhaupt, das Telephon, das notwendigerweise in immer häufigeren Fällen ein Smartphone ist, auf dem zu mindestens einige Funktionen des digitalen Zeitalters zugänglich sind. Für die Kommunikation von Älteren untereinander spielt dabei meiner Beobachtung nach die SMS und Whats App eine nennenswerte Rolle.
Mit der Beschreibung dieser drei Gruppen wird sofort klar, das für soziale Organisationen eine einheitliche Social Media Strategie zur Kommunikation mit Menschen, die an ehrenamtlicher Arbeit interessiert sind, nicht existiert. Tatsächlich muss man, zu mindestens noch in den nächsten zehn Jahren, mit zwei bis drei unterschiedlichen Ansätzen fahren.
Digital Natives
Hier gilt, dass die volle Wucht und Bandbreite der digitalen Welt genutzt werden kann und soll. Dabei gibt es zur Zeit drei halbwegs stabile Strategien, bei denen insbesondere zu beachten ist, das 90% der Informationen in dieser Gruppe über Smartphones wahrgenommen werden.
1. Seiten und Informationen im World Wide Web. Damit sind Seiten gemeint, auf denen sich a) Organisationen präsentieren, also „Homepages“ und Plattformen, die der Informationsvermittlung dienen. Das können Kommunikationsplattformen sein, wie zum Beispiel in Berlin die Seiten von Gute Tat, auf denen Kurzzeitehrenamtlichkeit vermittelt wird, oder aber z. B. die Seiten von Bürgeraktiv des Landes Berlin, auf denen generell über ehrenamtliche Arbeit berichtet wird, und Ehrenamtliche direkt vermittelt werden
2. Das sind die sozialen Netztwerke, wie Facebook, Linkedin oder Xing, auf denen sich Menschen als Personen präsentieren, sich mit „Freunden“ verbinden oder sich in Themengruppen miteinander austauschen. Die Kommunikation ist enorm flach, das heißt, es gibt keinen eindeutigen Sender und Empfänger, schnell und unpräzise. Nichts ist schneller als diese Medien, und nirgendwo sonst gibt es so viele Gerüchte. Ihren wahren Wert für ehrenamtliche Arbeit haben diese Gruppen gezeigt, seit ab 2014 verstärkt Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Wesentliche Teile der freiwilligen sozialen Arbeit mit Flüchtlingen ist von Gruppen im diesen Netzwerken organisiert und getragen worden. Ihr Vorteil ist Schnelligkeit, hohe Reichweite und unglaubliche Flexibilität, ihr Nachteil ist Verlässlichkeit und Informationssicherheit.
3. Als dritter Bereich kann hier die Kommunikation in Großgruppen genannt werden, wie sie über Twitter oder teilweise auch Instagram erfolgt, in geringerem Maß und wesentlicher stärker abgeschottet, auch über Whats App. Wer auf diesen Kanälen mit seinen Angeboten präsent ist, wird stärker wahrgenommen und kann in Einzelfällen eine unglaubliche hohe Anzahl an Menschen erreichen. Der Nachteil dieser Systeme ist, das man sehr lange Energie darauf verwenden muss, um in ihnen eine genügend hohe Wahrnehmung zu erreichen, und das dafür spezielle, nicht einfach zu erwerbende Informationsskills erforderlich sind.
Digital Immigrants
Das ist ein Stück weit ein Glücksspiel. Smartphones spielen eine wesentliche Rolle, aber daneben sind weiterhin Tablets und besonders Desktop und Laptop Computer als Wahrnehmungsmedien wichtig. Gut funktioniert in dieser Gruppe Kommunikation über Seiten und Kommunikationsplattformen. Viele in dieser Gruppe kommunizieren noch in erster Linie über E-Mails, was für soziale Organisationen im Austausch mit ihnen personalintensiv ist und aufwendige Datenbanken erfordert. Dort wo sie schon in den sozialen Netzwerken aktiv sind, bedraf es keiner speziellen Strategie dieser Gruppe gegenüber, da sie hier von den Informationskanälen der digitalen Natives mit erfasst werden. Welche weiteren Kommunikationskanäle benutzt werden, kann von Binnengruppe zu Binnengruppe unterschiedlich sein. In einem Stadtteil mag Whats App ein geeignetes Mittel sein, in Anderen ist es Twitter oder Instagram, oder eine andere Plattform.
Analog Peopel
Noch spielen sie eine Rolle! Und von daher muss man ihre besonderen Kommunikationsbedürfnisse noch berücksichtigen. Das sind traditionelle Medien in ihrer spätanlogen Form. Also Zeitungen, aber weniger Tageszeitungen, mehr die Werbe- und Wochenblätter, die intensiv studiert werden, und über die man diese Generation immer noch gut erreicht. Da wo es eine Organisation leisten kann,.funktioniert auch die Zusammenarbeit mit lokalen Radios und lokalem Fernsehen für diese Menschen gut, den sie besitzen tatsächlich noch fast alle einen Fernseher und schauen die Tagesschau und das Vorabendprogramm, wie vor 40 Jahren. Die einzige nichtanaloge Einfallstraße in diese Gruppe ist nach meiner Beobachtung Whats App, das bei Älteren, insbesondere als Kommunikationsmittel in Familien, sehr beliebt ist.
So damit sind jetzt die wesentlichen Eckpunkte beschrieben. Welche Strategie eine Organisation in der Kommunikation mit ihren Ehrenamtliche wählt, hängt also stark da von ab: „Welche Gruppe will ich erreichen?“ und „Wie viel Kraft in Form von Geld und Personal bin ich bereit zu investieren.“
Man kann natürlich auch darauf setzen, keine dieser Strategien zu benutzen, und auf die alte Mund zu Mund Propaganda setzten, nur bitte bedenkt, auch die ist heute digital.
Prof. Dr. Stephan F. Wagner
Bundesvorsitzender des Verbandes
für sozial-kulturelle Arbeit e.V.
Ein Beitrag aus dem Magazin „Im Mittelpunkt“ September/Oktober 2016 mit dem Leitthema „Bürgerschaftliches Engagement“
Das ganze Magazin können Sie als eBook oder interaktives Pdf herunterladen, die gedruckte Version, einschließlich dem Einleger mit allen Veranstaltungen des SzS, finden Sie in unseren Einrichtungen.
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