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… kommt die Weihnachtszeit so schnell. Ich wollte-sollte-muss doch noch so viel erledigen. Geschenke kaufen, Kekse backen, Weihnachtsfeiern hier und dort, auf Arbeit drehen alle am Rad, wenigstens einen Weihnachtsmarkt besuchen, Freunde und Familie treffen … Frohe und besinnliche Weihnacht kommt da nicht auf 🙁 Ich höre mich selber sagen: „dies mache ich zwischen den Jahren“ – aber was heißt das denn.

Gibt es eine Zeit um Innezuhalten? Früher nannte man diese Zeit: die Rauhnächte. Sie beginnen am 25.12 und gehen bis zum 5. Januar. Es sind 11 Tage und 12 Nächte und entstehen durch die unterschiedlichen Kalender – der Mondkalender und der Sonnenkalender. Es ist eine Zeit der Zeitlosigkeit. Draußen ist es kalt, der Wind pfeift und wir Menschen ziehen uns zurück ins Warme. Vom Gefühlsleben sind die Menschen in dieser Zeit eher bereit sich auf Einkehr und Besinnung einzulassen. Es werden oft Kerzen angezündet, man sitzt beieinander und erzählt Geschichten oder Märchen. Auch die Silvesterraketen und Knaller passen in diese Zeit. Wir vertreiben unsere Ängste und böse Geister mit Krach und freuen uns an dem Lichtermeer in dieser dunklen Zeit. Auch gehört es dazu, zurückzublicken, auf das Jahr … das Leben. Meine Frau und ich tun dies jedes Jahr. Wir nehmen uns den Kalender vom ablaufenden Jahr und lassen die Monate, die Situationen, die Erlebnisse noch einmal vor unseren inneren Augen  auferstehen. Wir überlegen: Was war super? Wo war es schwer? und Was haben wir alles erleben dürfen?  Am Ende blicken wir noch auf das neue Jahr. Was wird die Zukunft bringen? Welchen Aufgaben müssen wir uns stellen? Können oder müssen wir uns vorbereiten?

Konkrete Dinge nehmen wir uns nicht vor. Sicherlich die Üblichen: mehr Sport treiben, Geld sparen für ein neues Auto oder weniger Süßes essen. Doch reicht das? Wie steht es mit meinem Seelenleben, mehr Kontakt zu meinen inneren Werten. Mehr Gefühl und Liebe nach außen geben. Kann ich dem gerecht werden?

In den letzten Tagen fiel mir das Gedicht „Lieber Mensch“ von Courtney A. Walsh in die Hände. Es handelt von der wahren Liebe, davon dass wir uns vollkommen und bedingungslos auf sie einlassen können. Das wir echte Liebe im Hier und Jetzt leben können, in ihr Gutes wie Negatives erleben können und spüren. Eine Liebe, die uns lachen und weinen, stolpern und scheitern, schweigen und schreien lässt. In der wir ganz Mensch – menschlich, schwach und unzulänglich sein dürfen. Eine sanfte Liebe, in der wir mit allen Gefühlen ganz wir selbst sein können, das ICH, und somit anderen leuchten und sie berühren.

Das Gedicht berührt mich und die Gedanken entlasten mich. Ich kann einfach so sein, ich kann einfach unperfekt menschlich sein! Ich muss mich nicht verbiegen, sondern kann mich auf  das einlassen, was mir geschenkt wird und dann weiter schenken. Eins dieser Geschenke ist für mich der Segen Gottes (der z.B. an Ende jeden Gottesdienstes gegeben wird). Ich habe ihn empfangen und will ihn gern weitergeben:

„Nehmt das Licht in Euch hinein, lasst es aus Euch leuchten,
aus den Augen, aus dem Herzen, aus dem Bauch und Euren Händen.
Tragt das Licht hinaus, dass es anderen leuchte.“

Mit diesen Worten wünsche ich uns allen ein gutes hoffnungsvolles Neues Jahr!

Euer Lars Friedrich
Integrationserzieher/Diakon/Mobbingbeauftragter