Aktuell sorgen geleakte Kürzungspläne, über die Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände diskutieren, für massive Besorgnis bundesweit. Ein internes Papier mit über 70 Vorschlägen im Volumen von mehr als 8,6 Milliarden Euro wurde vom Paritätischen Wohlfahrtsverband veröffentlicht und wird von vielen weiteren Fachverbänden scharf kritisiert.
Sie warnen vor Einschnitten, die die Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, Kindern, Jugendlichen und Familien massiv gefährden würden.
Betroffen: Unsere Arbeit in Berlin-Steglitz
Was wie abstrakte Sozialpolitik klingt, würde unsere Arbeit im Stadtteilzentrum Steglitz e.V. direkt betreffen. Mit unserer Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB®) unterstützen wir Menschen mit (drohenden) Behinderungen und Angehörige dabei, ihren Alltag selbstbestimmt zu gestalten – in Arbeit, Bildung, Freizeit oder Wohnen. Die Beratung ist kostenfrei, unabhängig und bedürfnisorientiert. Zentral ist Peer Counseling: Beratung auf Augenhöhe durch Menschen mit eigenen Erfahrungen, um Selbstbestimmung zu stärken und Teilhabewege zu entwickeln. Finanzielle Kürzungen würden dieses Angebot bedrohen.
Auch Kinderhilfen und Familien im Fokus
Die Vorschläge betreffen nicht nur die Eingliederungshilfe, sondern auch Kinder- und Jugendhilfe. Diskutiert werden Streichungen bei Schulbegleitung, Integrationshilfen, Nachbetreuung junger Erwachsener sowie Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende. Individuelle Unterstützung solle durch standardisierte Lösungen ersetzt werden, was Rechte auf Teilhabe schwächt. Das könnte neben unserer EUTB® weitere Einrichtungen unseres Trägers für Kinder, Jugendliche und Familien treffen.
Gefährdete Sozialleistungen im Überblick
Diese vielfältigen Angebote – von der Eingliederungshilfe über Kinder- und Jugendhilfe bis hin zu Familienunterstützung – geraten durch die geplanten Kürzungen massiv unter Druck. Konkret drohen Einschränkungen beim Wunsch- und Wahlrecht, wodurch Betroffene weniger Flexibilität bei der Auswahl individueller Hilfen hätten. Statt personalisierter Begleitung wie Peer-Counseling oder spezifischer Schulunterstützung sollen standardisierte Pauschallösungen greifen, was die Qualität und Passgenauigkeit der Leistungen mindert. Gleichzeitig würden strengere Kostenbegrenzungen zu weniger Personal und kürzeren Beratungszeiten führen, insbesondere bei Nachbetreuung junger Erwachsener oder Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende.
Fachverbände wie der Paritätische Wohlfahrtsverband sehen darin nicht nur einen Rückschritt für Inklusion und Teilhabe, sondern einen Kahlschlag bei grundlegenden Sozialleistungen, der Millionen Familien, Kinder und Menschen mit Behinderungen in ihrer Lebensführung bedroht. Solche Einschnitte könnten langfristig zu höheren gesellschaftlichen Kosten führen, etwa durch vermehrte Armut, Isolation oder Notfälle, und widersprechen dem Grundsatz der UN-Behindertenrechtskonvention von Selbstbestimmung und bedarfsgerechter Förderung.
Gemeinsam können wir mehr erreichen – wer sich informieren oder aktiv werden möchte:
- Petition gegen die geplanten Kürzungen in der Eingliederungshilfe
- Demonstration am 5. Mai in Berlin unter dem Motto „Menschenrechte sind nicht verhandelbar!“
Wir gehen davon aus, dass wir die Welt verändern können.