Klamöttchen

Das Klamöttchen in neuen Räumen! 

 

Flammen im KiJuNa – Feuer in den Herzen

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Es ist die Silvesternacht 2012/2013, 0.30 Uhr. Bei der Polizei und der Feuerwehr gehen in ganz Berlin zahlreiche Anrufe ein. Viele davon kommen aus Lichterfelde Süd. Das Kinder-, Jugend- und Nachbarschaftszentrum in der Scheelestraße 145 brennt.

Es ist kalt und spät, und die Anwohner in der Nachbarschaft sind auf den Straßen oder auf ihren Balkonen und beobachten das Feuerwerk am Himmel über ihren Dächern. Die Begeisterung über die vielen bunten Lichter am Firmament wird jäh unterbrochen. Die Aufmerksamkeit verlagert sich auf das KiJuNa, wo Flammen aus den unteren Räumen emporsteigen. Unbekannte Täter haben in der ersten Nacht des neuen Jahres mit einem Gullideckel die Scheibe vom Klamöttchen, dem Kleider- und Spielzeug- laden für bedürftige Familien im KiJuNa, eingeschlagen und es anschließend in Brand gesteckt. Eine Tat, die nicht nur die verantwortlichen Mitarbeiter des Stadtteilzentrum Steglitz e.V., sondern vor allen Dingen die Besucherinnen und

Besucher des KiJuNa und deren Familien schockiert und vorübergehend sprachlos werden lässt. Ein Anschlag, der sich gezielt gegen eine Einrichtung richtet, die in der Region dafür bekannt ist, Anlaufpunkt für Kinder, Jugendliche und Familien zu sein. Größer noch als der finanzielle, ist der soziale Schaden, der durch den Brand entstanden ist. Zahlreiche Familien, die das Angebot des Klamöttchens für ihre Kinder und Enkel genutzt haben, sehen sich nun in der Situation, eine freundliche, bunte und vielfältige Möglichkeit verloren zu haben, für ihre Kinder Kleidung und Spielzeug günstig zu erwerben.

Aufgrund der Geschehnisse in der Silvesternacht hat das KiJuNa in der Woche vom 7. bis 11. Januar 2013 kurzfristig alle Besucherinnen und Besucher und deren Eltern zu einer Projektwoche eingeladen. In dieser Projektwoche unter dem Motto „Nach dem Brand – Wir machen uns Luft“ war eben dieses Motto Programm.

Gestartet ist die Woche am Montag, wie in den folgenden Tagen, mit einem

gemeinsamen Essen im KiReLi. Die zahlreichen teilnehmenden Kinder und ihre Eltern wurden im Anschluss an das Essen vom Erzieherteam des KiJuNa durch das Haus geführt, um einen Eindruck vom entstandenen Schaden zu bekommen. Dieser Eindruck löste bei den Teilnehmern verschiedene Reaktionen aus. Es war für alle ein sehr emotionales Erlebnis. Kinder, die das Klamöttchen, als „ihren Kleiderladen“ bezeichneten, waren sichtlich geschockt und überwältigt vom Ausmaß dessen, was zerstört wurde. Als die Gruppe geschlossen im vollkommen ausgebrannten und verrußten Klamöttchen stand, lagen die Gefühle blank. Ein weinendes Mädchen, kopfschüttelnde Eltern und Kinder, die sprachlos und mit fassungslosen Minen an die schwarzen Wände und Decken starrten. Nach der Begehung der Räumlichkeiten wurde in einer Runde über das Gesehene und die ausgelösten Gefühle gesprochen. Hierbei wurde sehr schnell deutlich, dass den Teilnehmerinnen und Teilnehmern nicht begreifbar war, wie man so etwas Schönes und Wichtiges zerstören konnte. Alle Ergebnisse, Gedanken und Sätze des ersten Tages wurden gesammelt und in Form von beschriebenen Karten und gemalten Bildern zu einer Wandzeitung zusammengestellt.

Tag zwei der Projektwoche begann nach dem gemeinsamen Essen mit einer Gesprächsrunde zum Thema Wut und den Umgang damit. „Was macht mich wütend?“ und „Wohin mit meiner Wut?“ waren die zentralen Fragen an diesem Projekttag. Nachdem in großer Runde zu diesen Themen Gespräche stattfanden und gemeinsam Ideen entwickelt wurden, wie man mit seiner Wut umgehen kann, haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedene Übungen entsprechend der Thematik gemacht. Bei den Übungen ging es darum, durch gezielte körperliche Anspannung, Energie, die teilweise durch Wut, Angst oder Frust erzeugt wird, abzubauen.

Am Mittwoch haben die Kinder gemeinsam mit den Erziehern gekocht. An- schließend wurde zusammen gegessen, um gestärkt auf einen Demonstrationszug durch den Kiez zu gehen. Ausgestattet mit Plakaten und Handzetteln machten sich die Kinder, deren Eltern und das Erzieherteam des KiJuNa auf den Weg, um Menschen in der Region auf das Ereignis aufmerksam zu machen und Stimmen von Menschen auf der Straße einzufangen. Begonnen wurde Scheelemarktplatz, dann zog Demonstrationszug über die Osdorfer Straße quer durch die Thermometersiedlung. Die Protestgruppe besuchte verschiedene Einrichtungen in der Region, wie z.B. Bus Stop e.V., das gerade frisch installierte Politbüro und den „Kieztreff“ in der Celsiusstraße. Zahlreiche Jugendliche und auch Eltern schlossen sich kurzerhand der Gruppe an, um auch ihrem Frust und ihrem Ärger Ausdruck zu verleihen.

Am vierten Projekttag wurde mit Unterstützung des Rap-Coaches Steven El-Saadi ein Song geschrieben, geprobt und aufgenommen. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer der Projektwoche nutzte die Kraft der Worte, um in zwei bis vier Zeilen seine Gefühle zu den Geschehnissen der Silvesternacht zu verarbeiten. Am Ende des Tages war ein kompletter Song mit dem Titel „Mächtig fuchsig“ fertiggestellt.

Am letzten Projekttag hat die gesamte Gruppe die Woche noch einmal Revue passieren lassen, die Wandzeitung fertiggestellt, ein paar erlebnispädagogische Spiele zum Thema Zivilcourage gespielt und zum Abschluss das fertige Lied vom Vortag gehört und die entstandenen Fotos in Form einer Diashow bestaunt.

Wir haben mit diesem Projekt die Geschehnisse gemeinsam verarbeitet. Aber es steckte zusätzlich ein präventiver Gedanke dahinter. Die Kinder haben gelernt, dass es sich lohnt, den Mund aufzumachen und etwas zu sagen. Dass es jemanden gibt, der ihnen zuhört und Wert auf ihre Meinung legt. Das Gefühl in den Kindern wurde bestärkt, dass das KiJuNa IHR Haus ist. Und das jeder Schaden, der der Einrichtung zugefügt wird, ein Schnitt ins Fleisch der Gemeinschaft ist.

Es ist tragisch und traurig zu sehen, zu was manche Menschen im Stande sind. Das KiJuNa und das Stadtteilzentrum Steglitz e.V. verstehen sich als Partner der Nachbarschaft. Als Partner der Kinder und Jugendlichen sowie deren Eltern in der Region. Gerade vor dem Hintergrund der Partnerschaft mit Jugendlichen aus dem Kiez ist diese Tat unverständlich, da es hierbei um mutwillige Zerstörung des eigenen Umfelds geht. Jedoch zeigt sich, dass die Gemeinschaft derer, die sich gegen solche Taten wehren und aufstehen, um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen, groß und ebenso stark ist. Wenn es das ist, was wir in der Projektwoche gelernt haben, dann ist es ein Schritt in eine Zukunft, in der Kinder und Jugendliche sich nicht den Taten einiger weniger Chaoten beugen, sondern sich auflehnen und sagen, was ihnen nicht passt.

Eine Zukunft, für die es sich lohnt, weiter mit Worten und Taten an ihr zu arbeiten. Die Flammen im KiJuNa haben ein Feuer in den Herzen der Kinder entfacht, dass stark und hell für ihr Haus und ihre Partner brennt.

Klamöttchen – Kleider für Kids

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Im Kinder-, Jugend- und Nachbarschaftszentrum Osdorfer Straße
Scheelestraße 145, 12209 Berlin

Ab 10. März 2017
Celsiusstr. 66, 12207 Berlin.
Info Telefon 030 39 88 53 66

Öffnungszeiten:
Montag 11.00 – 15.00 Uhr
Dienstag 11.00 – 15.00 Uhr
Freitag 11.00 – 15.00 Uhr

Projektleitung Veronika Mampel
Nachbarschafts- + generationsübergreifende Arbeit
Koordination Flüchtlingsarbeit + Ehrenamt
Telefon 0173 2 34 46 44
v.mampel[at]stadtteilzentrum-steglitz.de

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