Zukunfts Musiker

18. Juli 2017 | Von | Kategorie: Im Fokus, Kita Lichterfelder Strolche, Leitartikel

Singende Kindergärten

„Singen ist die eigentliche Muttersprache des Menschen!“
Yehndi Menuhin

Was war das für eine riesige Freude, als bei unserer Teambespechung bekannt gemacht wurde, dass wir dieses Jahr an der Weiterbildung der „Zukunfts Musiker“ teilnehmen dürfen. Jedes Jahr bewerben sich unzählige Kindergärten um die begehrten Plätze dieser besonderen Fortbildung … und die Lichterfelder Strolche sind dabei! Da sich unsere Einrichtung auf dem Weg zu einer Musik-Kinder-
tagesstätte befindet, konnte das Glück gar nicht mehr auf unserer Seite sein.

Zur ersten Tagung am 19. Januar 2017 fuhren also zwei Erzieherinnen voller Vorfreude zum Tagungsort. Die beiden sympatischen Anleiterinnen, Amelie Erhard, Musik und Vokalpädagogin für Kindergärten-, Schul- und Opern-Projekte, und Elke Gulden, staatlich geprüfte Gymnastiklehrerin, Tanzpädagogin, Yogalehrein und Bewegungspädagogin, ausserdem Autorin zahlreicher Fachpublikationen im Bereich Motorik und Musikpädagogik, führten uns in eine bunte Welt voller Musik, Bewegung, Fantasie und Freude.

Ihre mitreissende Art liess uns anfängliche Scheu und Zurückhaltung sofort über Bord werfen. Besonders interessant fanden wir die Heranführung an die neuen Lieder, Fingerspiele oder ähnliches. Ohne Erklärungen und viele Worte, fingen die Kursleiterinnen mit Bewegungen und Geräuschen an. Automatisch stiegen wir mit ein. Als wir die Bewegungen und Geräusche, ohne darüber nachzudenken, mitmachen konnten, kam der Text dazu.

Erst nach einer Weile verwandelte sich unser Schauspiel mit bekannten Kindermelodien zu einem Lied. Diese sogenannte „Gulden Methode“ eignet sich ganz besonders, um Kinder in die Welt des Gesangs zu führen. Lieder und Texte sind so sehr viel einprägsamer, da aufbauend gelernt wird. Die schrittweise Heranführung erhöht den Spannungsbogen. Die „Gulden Methode“ gibt Raum für schüchterne Kinder, da sie selber entscheiden können, wo und wie sie sich einbringen möchten. Kinder die nicht muttersprachlich Deutsch können, sind hier integriert und können voller Freude und Elan mitmachen. Auch die Kleinsten haben die Möglichkeit sich in Bewegungen, Geräuschen oder Melodien, ganz nach ihrem Entwicklungsstand, einzubringen.

Der natürliche Bewegungsdrang der Kinder wird dabei als Erstes berücksichtigt. Nicht still sitzen und zuhören, sondern mit dem ganzen Körper erfahren und ganz nebenbei fit und wach werden, den Bauchraum und die Atmung auf den Gesang vorbereiten. Gleich wurden wir aufmerksam, konzentriert und neugierig.

Die zugegeben sehr lustigen und für uns Erwachsene auch anfangs etwas peinlichen Geräusche, dienen der Stimmbildung. Das Zwerchfell wird aktiviert und der Atemfluss befreit. Wer kann schon aus dem Stand ohne Aufwärmen richtig schön singen? Besonders für uns Erwachsene ist dieses Stimm-Training sehr gut geeignet, um später bei den Liedern den hohen Ton eines Kindes treffen zu können. Abgesehen mal davon, das es sehr viel Spass macht!

Als Nächstes lernten wir unzählige Variationen wie passende Rollenspiele, Tanzspiele, Fingerspiele oder sogar musikalische Massagen. Dabei ist der Kreativität der Kinder und der Erzieher keine Grenzen gesetzt. Während der acht Stunden des Workshops konnten wir so viel an Material, Hintergrundwissen und Motivation mitnehmen, dass wir uns schon riesig auf das Ausprobieren mit den Kindern gefreut haben.

Jeweils fünf Kindergärten, vertreten durch zwei Erzieher, wurden zu einer Gruppe zusammengefasst und bekamen eine Musikpädagogin als Begleiterin durch das halbe Jahr der Fortbildung. Bettina Leuckert, unter anderem zuständig für die Lichterfelder Strolche, organisierte zeitnah eine Fortbildung für das ganzes Team in unserer Kita. Von diesem Zeitpunkt waren auch unsere Kolleginnen vom Gesangsfieber gepackt. Mit viel Unterstützung vom Team durften wir zwei „Zukunfts Musiker“ Erzieherinnen das neu Erlernte mit allen Kindern unserer Einrichtung ausprobieren. Mit vollem Erfolg.

Wir waren sehr erstaunt, wie gut die „Gulden Methode“ in der Praxis tatsächlich funktioniert. Die Kinder in allen Alterstufen waren aufmerksam und voller Spannung. Ob Gross oder Klein, alle machten mit viel Freude mit und seit dem hören wir die neuen Lieder aus allen Ecken der Kita erklingen. Fast jede Woche treffen sich die Erzieher der Workshop-Gruppe mit unserer Musikpädagogin in einer Einrichtung. Wir reflektieren, haben Zeit Fragen zu stellen und uns auszutauschen. Im Anschluss dürfen wir Frau Leuckert dabei beobachten, wie sie mit einer Gruppe der jeweiligen Kita eine musikpädagogische Stunde durchführt. Das Lernen am Modell in authentischen Situation ist für uns Erzieher sehr hilfreich. So erhalten wir fast jede Woche wieder neue Ideen, besseres Verständnis und vor allem Motivation, die wir mit in unsere Einrichtung tragen können.

Nun ist die Hälfte der Weiterbildung vergangen und ab den nächsten Treffen mit unserer Musikpädagogin führen jeweils die Erzieher/innen, in deren Einrichtung wir zu Besuch sind, eigenständig ein musikpädagogisches Angebot durch, dass wir dann im Anschluss mit der Gruppe und Frau Leuckert reflektieren können.

Da die „Singenden Kindergärten“ eine Initiative vom Drogeriemarkt dm ist, steht uns eine Mitarbeiterin der nächst gelegenen dm-Filiale als Pate zur Seite. Kurz vor Ostern kam uns dann die Mitarbeiterin Linh in unserer Einrichtung besuchen. Sie brachte uns viele schöne Geschenke wie Kreide, Jojos, Nuckelketten, eine Puppe und Bastelmaterial mit und gestaltete mit den Kindern Osterkörbchen und färbte Eier mit uns. Ein Besuch der Kinder in der dm-Filiale ist bereits in Planung.

Weiterhin sponsorte dm für alle Kinder unserer Einrichtung jeweils drei liebevoll gestaltete Kinderlieder-Bücher als Geschenk. Darüber freuten sich nicht nur die Kinder sondern auch die Eltern und Erzieherinnen. Ein besonders schönes Ereignis im Rahmen der Weiterbildung war auch die Theateraufführung der „singenden Köche“ in unserer Kita. Das lustige, trällernde Clownpärchen, das uns in einem bezaubernden Bühnenbild Pfannkuchen zubereitete, lies bei Jung und Alt vor Lachen die Tränen kommen.

Bei dem zweiten ganztägigen Workshop an dem meine Kollegin und ich teilnehmen durften, erlernten wir weitere wunderbare musikalische Angebote von der Dozentin Aline Klösgen. Die studierte Musikpädagogin mit Hauptfach Gesang gibt deutschlandweit Seminare für Erzieherinnen, Eltern-Kind-Gruppen-Leiter/innen und Lehrkräfte und ist als Gesangspädagogin und Sängerin tätig.

Besonders interessant war für mich, die Einzelstimmbildung mit der Musikpädagogin, Stimmbildnerin und Musikerin Irina Föhrenbach. Jeder der Workshopteilnehmer durfte ca. 20 Minuten alleine mit Frau Föhrenbach arbeiten und dabei sein ganz persönliches Problem erkennen und sein ganz persönliches Talent entdecken. Stimmspiele, Stimmspielgeschichten, Lieder, Bewegungslieder, Tanzspiele, Fingerspiele und Vieles mehr ist die Verknüfung von Musik, Sprache und Bewegung und zählt somit zur ganzheitlichen Erziehung, zur Förderung von Körper, Geist und Seele.

Was kann Singen also alles bewirken? In erster Linie macht Singen glücklich. „Schon ein ganz kleines Lied kann viel Dunkelheit erhellen“ sagte Franz von Assisi. Singen fördert aber auch Sprache und Artikulation. Es stärkt das Gemeinschaftsgefühl und das Selbstvertrauen. Weiterhin schult Singen das Gehör, fördert die Körperspannung und die Konzentration und bietet Zugang zur Kultur. Gesang, Musik und Bewegung ist also ein Geschenk für uns alle und wir sind sehr glücklich, dass wir an der Weiterbildung der „Zukunfts Musiker“ teilnehmen dürfen.

Claudia Köppel

dm-drogerie Markt hat sich zum Ziel gesetzt, einen Beitrag zur musisch-
kulturellen Bildung in unserer Gesellschaft zu leisten. Dafür rief dm in Zusammen-
arbeit mit erfahrenen MusikpädagogInnen im März 2006 die Initiative „Zukunfts Musiker“ ins Leben.

Informationen: www.zukunftsmusiker.de

 

 

 


Ein Beitrag aus dem Magazin „Im Mittelpunkt“ 3/2017 mit dem Leitthema „Musik“
Das ganze Magazin können Sie als eBook oder interaktives Pdf herunterladen, die gedruckte Version, einschließlich dem Einleger mit allen Veranstaltungen des SzS, finden Sie in unseren Einrichtungen.

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