Musikpädagogische Arbeit im Wandel der Zeit

15. Juni 2017 | Von | Kategorie: Im Fokus, Leitartikel, Schuloase an der Giesendorfer Schule

Seit nun mehr als 7 Jahren ist die Band-AG in der Giesensdorfer Schule ein wichtiger und fester Bestandteil der sozialpädagogischen Förderung und mir persönlich ein besonderes Anliegen, den Kindern Musik in vielen Formen nahe zu bringen. Angefangen von den ersten Gehversuchen mit der 1. Generation von SchülerInnen aus den 3. und 4. Klassen und den ersten Konzerten in der Hofpause, dem „Matinee“ Konzert im Herbst 2010 oder auch dem ersten ganz großen Auftritt im FEZ im Rahmen des Musikfestivals „Klangwelten“ im Frühling 2011, haben die Kids immer wieder den Mut gehabt und sich furchtlos auf die Bühne gestellt und den „Laden gerockt“.

Auch diese TeilnehmerInnen wurden älter und es hat sich nach einem Jahr schon soviel Songmaterial angesammelt, so dass wir 2012 die erste CD mit bescheidenen Mitteln produzieren konnten. Es war ein Double Feature mit den „Melody Girls“, drei Schülerinnen, die damals schon in der 6. Klasse die Möglichkeit hatten, aus einem gescheiterten Band-Projekt als Gesangstrio hervorzugehen und nur begleitet mit einer Gitarre einen sehr charmanten dreistimmigen Gesang auf CD zu bannen. Im Gegensatz dazu hatte „Karacho“ schon ein kleines, aber feines Repertoire an Rocksongs, die sich hören lassen können, dafür dass die AG erst seit kurzer Zeit bestand. Auf dieser CD waren jeweils bis zu 5 Titel von beiden Bandprojekten vertreten.

Die „Melody Girls“ haben 2012 die Schule verlassen, die „Karacho-Kids“ wurden größer und auch die Souveränität hatte zugenommen, auch wenn es alle halbe Jahre mindestens einen Wechsel in der Band gegeben hat. SchülerInnen, die nach der 4. Klasse auf ein grundständiges Gymnasium gewechselt sind oder auch andere Interessen entwickelt hatten. Damit musste ich als Bandcoach auch umgehen. Jeder Wechsel hatte neue Herausforderungen mit sich gebracht, aber auch neuen frischen Wind mit speziellen Fähigkeiten an der Gitarre, dem Bass, dem Keyboard, den Drums oder mit der Stimme der Sängerin.

Nachdem „Karacho“ mit der CD „Krazy Karacho“ im Jahr 2014 ein beachtliches Werk geschaffen haben, dass auch mit Zuwendung des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. eine Auflage von 500 CDs finanziert hatte, war nun klar, dass es hier ein Alleinstellungsmerkmal in der pädagogischen Arbeit gibt: Eine Grundschule, hier im Kiez in Lichterfelde-Süd, im Bezirk Steglitz-Zehlendorf und vielleicht sogar darüber hinaus. Ich wage ich es zu bezweifeln, dass es ähnliche Projekte in Grundschulen, in der Konsequenz vielleicht sogar in den Oberschulen gibt. Gerade erst kürzlich habe ich von einem ehemaligen Schüler, Mathis, der Drummer des letzten Projekts „To The Moon“, erfahren müssen, dass die Band-AG in seiner Oberschule leider brach liegt und er seine Fähigkeiten im Bandkontext im Moment nicht verbessern
kann. Schade. Ich hoffe er bleibt trotzdem dabei und erweitert seine Skills und seinen Horizont als zukünftiger Musiker.

Wenden wir uns den letzten Projekten zu: Die zuletzt erwähnte Band-AG „To The Moon“ hat im Jahr 2016 einen ebenbürtigen Nachfolger namens „Rock n Roll Grundschule“ aufgenommen, wie in den vergangenen Jahren auch im Recording Studio des KiJuNa (Kinder-, Jugend- und Nachbarschaftszentrum), welches im Laufe der Jahre auch durch diese pädagogische Förderung mehr finanzielle Zuwendung erhalten hat, damit die Aufnahmemöglichkeiten verbessert werden konnten. Kristoffer Baumann hat als Co-Coach, Mentor und geduldiger recording engineer bewiesen, was gute pädagogische Arbeit ausmachen kann und welche wunderbaren Ergebnisse erzielt werden können. So haben wir die Abmachung, spätestens alle zwei Jahre, bevor die SchülerInnen der Band die Schule nach der 6. Klasse verlassen und auf die Oberschule wechseln, die Möglichkeit nutzen können, ihr erlerntes Repertoire für die digitale Ewigkeit auf CD zu bannen oder einfach auf einen MP3 Player zu übertragen, damit diese lustigen Rocksongs gehört werden können.

Ich erinnere mich gerne an die Kollaboration mit Claudio Thomas, der eigens für Kinder der Ergänzenden Förderung und Betreuung (EFöB) die Rap-AG „Giesensdorfer Rap-Kids“ gegründet hat. In diesem Projekt lernten die Kids Fähigkeiten des rhythmischen Sprechgesangs, dem Rap und kreierten eigene Texte, die einstudiert wurden. Im Herbst 2014 kam es zur Aufnahmesession im KiJuNa.  Der besondere und wichtige Anti-Mobbing-Rap: „Mobbing – Wann hört das endlich auf?“ wurde an einem Vormittag aufgenommen. Zu diesem Song gibt es ein cooles Video, welches von Jörg Backes produziert wurde:

Es lohnt auch, noch weiter zu stöbern. Karacho hat einige Videos, die nicht in Vergessenheit geraten sollten:

Mach Dich Dreckig:

Giesensdorfer Rock n Roll:

Wild Thing:

In diesem Sinne: … Let The Children Play … (Carlos Santana)

Ich danke allen KollegInnen, Kindern und deren Eltern, sowie allen Involvierten, die diese musikkulturelle Förderung möglich gemacht habe!

Engin Vergili

Schulsozialpädagoge
Giesensdorfer Schule

Wir würden uns über Ihre Unterstützung freuen:

Informationen unter:

https://www.betterplace.org/de/abtest/ppp1/baseline?project_id=54371


Ein Beitrag aus dem Magazin „Im Mittelpunkt“ 3/2017 mit dem Leitthema „Musik“
Das ganze Magazin können Sie als eBook oder interaktives Pdf herunterladen, die gedruckte Version, einschließlich dem Einleger mit allen Veranstaltungen des SzS, finden Sie in unseren Einrichtungen.

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